palmöl

In letzter Zeit häufen sich die Anfragen, ob und wieviel und was für Palmöl/-fett in den Artikeln unseres Sortiments enthalten ist – vermutlich als Reaktion auf die Behandlung des Themas in den Medien. Jedenfalls herrscht allgemeine Verunsicherung. Das ist nicht weiter verwunderlich angesichts z.B. der Aussage von Greenpeace, dass es bisher weltweit kein ökologisch und sozial nachhaltig produziertes Palmöl gibt (s. beispielsweise diesen Link), dabei das in unseren Produkten enthaltenene Palmöl aber mindestens das EG-Bio-Siegel trägt und damit einem gewissen Nachhaltigkeitsanspruch genügen muss.
Dabei steht sicherlich die übermäßige Anpflanzung von Ölpalmenplantagen für die Herstellung von Treibstoff im Vordergrund, aber wir haben uns insgesamt ein bisschen Sorgen gemacht, ob wir mit dem Kauf von Produkten, die Palmöl enthalten, indirekt die Umwandlung von Regenwald in Ölpalmen-Monokulturen unterstützen – was, selbst wenn es sich um bio-zertifizierte Ölpalmen-Monokulturen handeln würde, wohl kaum im Sinne der Nachhaltigkeit wäre. Leider ließ sich keine zentrale Stelle ausfindig machen, die uns hätte sagen können „Keine Panik, Palmöl mit Bio-Zertifikat ist unproblematisch“ – also haben wir einzeln bei den Herstellern nachgefragt, von denen Produkte mit Palmfett bei uns im Regal stehen. Das waren nahezu alle. Fazit: Palmöl mit Bio-Zertifikat ist… wahrscheinlich größtenteils zumindest weniger problematisch als konventionelles. Wem diese relativ unkonkrete Pauschalantwort nicht ausreicht, der lese im Folgenden die (recht umfangreichen, weil komplexen) Details.

Palmöl ist das günstigste Pflanzenfett, das auf dem Markt zu bekommen ist, und als solches eine der häuftigsten Lebensmittelzutaten. Als Faustregel beim Gang durch unsere Regale hat sich herauskristallisiert, dass insbesondere Gebäck ein guter Kandidat für Palmölverwendung ist, davon vor allem Dinge, die explizit als „vegan“ ausgewiesen sind (weil dann statt Butter pflanzliches Fett drin ist, und das wiederum kommt in den meisten Fällen von der kostengünstigen Palme). Außerdem so ziemlich alles, was irgendwie mit Müsli zu tun hat, und natürlich Margarine, die in ihrer Eigenschaft als pflanzliches Fett zu einem Großteil von der Palme kommt. Das bedeutet, das in konventionellen Produkten, auf denen bloß Margarine in der Zutatenliste steht, man davon ausgehen kann, das Palmfett enthalten ist (im Bio-Sektor wird so etwas in 99% der Fälle separat auf den Packungen ausgewiesen).

Es handelt sich also um ein Zeug, dem man schlecht ausweichen kann – die Frage nach der Nachhaltigkeit von Palmöl mit Bio-Zertifikat ist also eine drängende. Abschließend beantworten können wir sie bisher nicht, und pauschal schon gar nicht. Eine wichtige und umstrittene Institution in diesem Zusammenhang ist, und hier begibt man sich in den komplexen Bereich der Entstehung internationaler Zertifizierungsprozesse, der vom WWF ins Leben gerufene Round Table of Sustainable Palm Oil (RSPO). Hier treffen sich verschiedene wichtige Akteure, um Richtlinien für die nachhaltige Palmölproduktion auszuarbeiten und umzusetzen. Das Ganze ist also noch im Werden, es wird hier ein neues Siegel speziell für Palmöl entwickelt, ähnlich wie das FSC-Siegel für Holz und das MSC-Siegel für Fisch und Meeresfrüchte. Hier die Richtlinien (PDF auf Englisch), auf die der RSPO sich geeinigt hat.
Das Problem, das Organisationen wie Greenpeace mit dem RSPO haben: An diesem runden Tisch sitzen – außer verschiedenen Umweltorganisationen – die Bösen, nämlich Nestlé, Unilever, Procter&Gamble etc. Und das gibt erstmal einen vielleicht verdienten Misstrauensvorschuss: Es legt sich der Verdacht nahe, das hier die übliche Geldmacherei mit einem Feigenblatt der Nachhaltigkeit versehen werden soll. Aber auch wenn das Feigenblatt das sein sollte, worauf die bösen Firmen aus sind : Die Tatsache, dass die öffentliche Meinung und Aufmerksamkeit diese Vertreter der Industrie zur Beteiligung an einem solchen Projekt zwingt, ist erstmal eine gute Entwicklung. Dass diese Firmen sich sträuben werden, die geforderten Kriterien in vollem Umfang anzunehmen, ist keine Überraschung – aber dafür sitzen sie ja auch nicht alleine am runden Tisch, sondern unter Aufsicht der Zivilgesellschaft in Gestalt verschiedener Nichtregierungsorganisationen.

Greenpeace hat insofern recht, dass das Zertifikat noch nicht fertig ist und die Kriterien noch nicht endgültig sind. Einige der Mitglieder des Round Table produzieren bereits Öl nach den bisher beschlossenen Kriterien, andere nicht, die Überprüfungsinstanzen nachhaltiger Palmölproduktion sind noch nicht perfekt. Aber die am Roundtable beteiligten Unternehmen haben über 50% der weltweiten Palmölproduktion unter ihren Fittichen. Eine Veränderung Richtung Nachhaltigkeit, die einen Unterschied macht, ist nur in Zusammenarbeit mit diesen Firmen möglich. Und damit die produktiv stattfinden kann, hilft es in unseren Augen nichts, den RSPO zu boykottieren oder als korruptes Projekt abzukanzeln. Die Industrie will möglichst viel Geld verdienen, aber sie kriegen es von uns, und wenn wir nachhaltige Produkte kaufen wollen, werden die sie produzieren müssen. Um ihnen dabei auf die Finger zu schauen, ist der RSPO eine vielversprechende Möglichkeit.

Leider ist es also nicht so einfach wie gehofft – das EG-Bio-Siegel allein reicht scheinbar nicht aus, um sich guten Gewissens ganz von der Palmöl-Frage losmachen zu können. Also haben wir, um ganz sicherzugehen, unsere Hersteller um konkrete Informationen gebeten. Wir haben insgesamt 19 Hersteller angeschrieben, sieben recht überzeugende Antworten haben wir bisher erhalten, den fehlenden werden wir weiter auf die Füße treten.

Im Folgenden die Informationen über die einzelnen Hersteller.

Allos
Die Rohware des von Allos verwendeten Bio-Palmfettes stammt aus Kolumbien. Der Produzent ist Mitglied des RSPO und maßgeblich an der Entwicklung der Prinzipien und Kriterien für die nachhaltige Palmöl-Produktion beteiligt. Das Projekt wurde zusätzlich zu 2003 durch ProForest und 2008 durch Control Union Certifications geprüft – beides seriöse Prüfstellen für nachhaltigen Waldbau. Die 2008er Prüfung erfolgte nach den Kritieren des RSPO, die Ausstellung des entsprechenden Zertifikats steht noch aus, wird aber für Mitte 2009 erwartet.

Barnhouse
Barnhouse’s kolumbianischer Lieferant ist regelmäßig vor Ort und überzeugt sich persönlich davon, dass keine Brandrodungen stattfinden und kein Primärwald abgeholzt wird. Die Firma pflegt langjährige Kontakte mit den Partnern ihres Vertrauens und wechselt nicht gleich den Anbieter, wenn jemand einen besseren Preis bietet – so wird versucht sicherzustellen, dass immer mit zuverlässigen Kollegen gearbeitet wird. Das ProForest-Gutachen (Englisch, PDF) für den betreffenden Lieferanten hat Barnhouse uns gleich mitgeschickt – falls jemand richtig genau hinschauen oder sich ein Bild machen möchte, wie so ein Ding aussieht.
Palmöl, so führt Barnhouse an, schmeckt neutral und hat eine ausgewogene Balance aus gesättigten und ungesättigten Fettsäuren – nicht so gut wie Sonnenblumen- oder Rapsöl, aber wesentlich besser als z.B. Margarine. Außerdem wird es kaum ranzig – eine Anforderung, die der Handel an die Müsliprodukte stellt, wo inzwischen ein Jahr Haltbarkeit verlangt wird. Das ist mit Sonnenblumenöl nicht machbar. Das Honig-Krunchy allerdings wird seit Beginn der Müsliproduktion vor 30 Jahren immer noch ausschließlich mit Sonnenblumenöl hergestellt; dieses erste Barnhouse-Produkt verkauft sich so gut, dass man sich um Mindesthaltbarkeitsdaten glücklicherweise weniger Sorgen machen muss. Für andere Produkte werden zur Zeit Backversuche mit neuen vielversprechenden Sonnenblumen- und Rapsölvarianten unternommen, bislang aber mit geschmacklich mäßigem Erfolg.

Bauck
Das einzige Bauck-Produkt, das Palmfett enthält, ist das Dinkel-Müsli „knusperzart“ – und darin ist das Palmfett Bestandteil der vom Müslihersteller Barnhouse hinzugekauften und dem Produkt beigefügten „Krunchy“-Mischung – siehe also oben.

Berchtesgadener Land
Auch bei Berchtesgadener Land handelt es sich nur um ein einziges Produkt, nämlich den Bio Frucht&Knusper-Joghurt, und darin um die Knuspermüslimischung obendrauf. Der Lieferant, von dem Berchtesgardener Land das Knusperzeug bezieht, teilt mit, dass das Palmöl aus Kolumbien stammt und ProForest-zertifiziert ist.

Bohlsener Mühle
Die Bohlsener Mühe bezieht ihr Palmöl von kolumbianischen Plantagen, die über 80 Jahre alt sind. Seit ca. 15 Jahren werden diese Plantagen kontrolliert ökologisch nach den Richtlinien von Pro Forest bewirtschaftet. Für die Bio-Produktion wurde also kein Regenwald abgeholzt. Die involvierte Kontrollstelle BCS zertifiziert nur Projekte, in denen die Anbauflächen bestehen, das heißt, sie akzeptieren keine Abholzung. Dazu kommt laut Bohlsener Mühle, dass durch die Umstellung auf Bioanbau zahlreiche positive Auswirkungen folgen: Die Plantagen werden von Vögel und Insekten als Zuflucht genutzt und bekämpfen so gleichzeitig Schädlinge, die den Palmen gefährlich werden könnten. In den Plantagen gibt es Zonen, die keinen Palmenbestand mehr haben und wieder von den ursprünglichen ortsansässigen Pflanzen besiedelt werden.

ErdmannHAUSER
Auch die Firma ErdmannHAUSER bezieht ihr Palmfett nach Auskunft ihres kolumbianischen Lieferanten aus alten, regelmäßig kontrollierten Palmbeständen. Trotzdem ist man sich der Problematik des Rohstoffes bewusst – zum einen, so die Firma, lässt man seitens der Lieferanten größte Sorgfalt walten, zum anderen, und das ist interessant, wird an heimischen Alternativen gearbeitet, die den Import von Palmöl ablösen könnten.

Rapunzel
Von Rapunzel verwendetes Palmfett stammt nur von Flächen, die mindestens 10 Jahre lang nicht abgeholzt worden sind, ebenfalls in Kolumbien. Der Lieferant ist RSPO-Mitglied, die Plantage seit 1990 bio-zertifiziert. Rapunzel überzeugt sich durch persönliche Besuche nicht nur von der ökologischen, sondern auch von der sozialen Nachhaltigkeit des Projektes. Hier eine ausführlichere Kundeninformation von Rapunzel, in der man Genaueres nachlesen kann.

warenwirtschaft newsletter 15

warenwirtschaft

 

 

Hamburg, im März 2009. Die Zeit vergeht ach so schnell…

Ihr alle!

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt : Wir haben seit Januar nicht mehr von uns hören lassen. Das ist natürlich sehr unhöflich. Allzuviel bahnbrechende Neuigkeiten gibt es zwar nicht – aber wäre doch gelacht, wenn wir so einen Newsletter nicht auch mit unbahnbrechenden Neuigkeiten gefüllt bekämen.

Qype (sprich: Kweip, vermutlich jedenfalls)
Findet ihr uns gut? Wollt ihr gerne Werbung für uns machen, ohne dafür groß die Finger krumm machen zu müssen? Sind die Antworten Ja und Ja, dann geht doch bitte hierhin und gebt eine Gutfind-Stimme für die warenwirtschaft ab, das kostet nur einen Klick (z.B. auf „Da war es toll“ oder auf „nützlich“ unter den einzelnen Beiträgen) und hat das Potential, uns ruckzuck in der ganzen Welt berühmt und geliebt zu machen. Spaß beiseite: Ein gutes Rating bei Qype kann wirklich sehr werbewirksam sein, ihr würdet uns damit einen großen Gefallen tun. Echt. Die ganz besonders Hilfsbereiten und Begeisterten können sogar einen Beitrag über uns schreiben, mit ein paar netten Worten – dafür muss man allerdings bei Qype einen Benutzeraccount anlegen oder bereits haben.

Saison
Dass wir bei unseren Obst- und Gemüseeinkäufen am liebsten regional und saisonal vorgehen, haben wir ja schon oft genug behauptet. Zu recht? Die Sache ist die: Die konsequente Umsetzung dieses guten Vorsatzes ist manchmal nicht möglich, manchmal betriebswirtschaftlich unklug und manchmal sogar nicht einmal sinnvoll. Es gibt Dinge, auf die man getrost verzichten kann und sollte, während sie gerade nicht in der Nähe wachsen. Andere – und das entscheiden wir nicht alleine, sondern auch ihr, durch die Sachen, die ihr kauft und nachfragt – müssen immer da sein, auch wenn man sie außerhalb der Saison von weit weg heranschaffen muss. Salate und Tomaten und die gerade ganz schwierigen Gurken zum Beispiel. Diese Produkte kommen zu dieser Jahreszeit ganz selbstverständlich aus den Mittelmeerländern. Andere Sachen aber haben so große Signalwirkung, dass es gleich auffällt, wenn sie zum falschen Zeitpunk in der Auslage liegen – wie letztens die Erdbeeren zum Beispiel. Die kamen auch aus Italien, haben aber eine Menge mehr Diskussionen ausgelöst, als es den Tomaten oder Salaten je in den Sinn gekommen wäre. Das passiert nicht zu unrecht, und es spricht ja eigentlich für das Nachhaltigkeitsbewusstsein unserer Kunden, wenn so etwas thematisiert wird.
Normalerweise ist unser Vorgehen so, nur die Dinge, die euch und uns wirklich unentbehrlich sind, außerhalb der Saison zu verkaufen. Zwar ist diese Unentbehrlichkeitsgrenze nicht natürlich gewachsen, sondern irgendwie Konvention und Gewohnheit – wer sagt, dass das Heranholen von (relativ leckeren) Erdbeeren im März verwerflicher und umweltfeindlicher ist als das Heranholen von (relativ wässrigen) italienischen Tomaten – aber irgendwo muss diese Grenze ja gezogen werden, und je enger, desto besser. Warum also Erdbeeren im März? Weil unser Großhandel, der uns in vielerlei Hinsicht immer wieder großartig entgegenkommt (daher vielleicht die Bezeichung „Großhandel“), sich mit seinen Erdbeeren verkalkuliert hatte und auf einem Berg Früchten festsaß. Also sind wir gebeten worden, ihnen für sehr wenig Geld ein paar abzunehmen, damit sie verkauft und gegessen werden können, anstatt in den Müll zu wandern. Das schien uns in diesem Moment das sinnvollere und nachhaltigere Vorgehen. So etwas kommt sehr selten vor – aber wenn ihr das nächste Mal etwas scheinbar völlig Unpassendes in der Auslage seht, und ihr wundert oder ärgert euch darüber, dann steckt vielleicht eine ähnliche Geschichte dahinter. Fragt uns nur – entweder wir erklären die Situation, oder wir stecken einen berechtigten Rüffel ein.
Und das noch ganz am Rande: Warum der in Plastik eingeschweißte Rucola anstelle der losen Wiegeware von vor ein paar Wochen? Weil wir den losen Rucola in rauen Mengen haben verfaulen sehen, und den abgepackten kauft ihr so nett…

Das Ostersortiment
ist da, denn es ist ja bald Ostern. Wir empfehlen das Marzipan – das war ja schon im Weihnachtssortiment toll. Ob da ein Zusammenhang besteht?

Achtung: Schließzeit!
Um es diesmal quasi noch früher als möglich anzukündigen: Wie an verschiedenen Stellen schon angemerkt wird der Laden im Sommer (in diesem und in allen anderen auch) für Renovierung und Instandsetzung und so für zwei Wochen schließen. Der Termin steht noch nicht hundertprozentig fest, aber ca. fünfundachtzigprozentig; Es werden mit ziemlicher Sicherheit die ersten beiden Augustwochen.

Gutscheine
Bei uns kann man jetzt Gutscheine erstehen, und zwar sowohl Warengutscheine in beliebiger Höhe als auch welche für unser beliebtes Produkt „Probemonat“ – ideal, wenn ihr wollt, dass jemand, der von selbst nicht darauf kommt, endlich mal ausprobieren kann, wie gut man sich als warenwirtschafts-Mitglied fühlt. Ist ein schöneres Ostergeschenk denkbar? Ja.
Aber trotzdem: Nicht schlecht.

Und überhaupt: Neue Sachen
Da gibt es allerlei. Da wären im Sektor „Kosmetik und Hygiene“ der lang gewünschte Rasierschaum, außerdem Granatapfelöl und – handcreme und ein Lavendelduschbad von Weleda. Die schon schmerzlich vermissten Topaz-Äpfel von Dierk Augustin sind jetzt doch nochmal für eine Weile wieder da. Offenbar ist da von tapferen Apfelbauern ein geheimnisvolles, vergessenes Lagerhaus ausgegraben worden, bis an den Rand gefüllt mit den leckeren roten Dingern, nie zuvor von eines Menschen Hand angerührt. Im Bereich Gekühltes gibt es jetzt eine leckere Vanillesoße, die ganz toll zur leckeren neuen roten Grütze passt – kann das noch ein Zufall sein? Außerdem die neuen Frühlings-Joghurtsorten von Söbbeke, und Cottage Cheese und Ziegenkäsecreme. In der Käsetheke ein paar Dinge für die Freunde der Nicht-Kuh: Ziegencaciotta und, wieder da, die Schafskäsen Le Brebis und Störtebecker, und ab nächste Woche Gouda mit Basilikum. Im Trockenbereich begrüßen wir die begehrte Bauck-Brownie-Backmischung – die ist glutenfrei und der KNALLER, wie man hört. Außerdem Flüssigwürze, also Maggi quasi, nur in Bio und leckerer. Und Papaya-Chili-Tomatensauße bei den Tomatenprodukten. Und Provamel Soya Dessert Schoko ohne Zucker. Und, soll TOTAL lecker sein: Yogi-Chai-Konzentrat zum Mit-Milch-mischen im 1l-Tetrapak, ab demnächst. Wir sind gespannt. Und zuletzt: Wir haben zwar schon ziemlich lange die bunten, gemischten Cherrytomaten, möchten aber nochmal darauf hinweisen, wieviel ARBEIT die uns machen, und wie TAPFER wir die immer sortieren und doch immer wieder bestellen, weil sie so lecker sind – insbesondere die runden gelben.

Palmöl
Palmöl ist kompliziert. In Asien werden Regenwälder abgeholzt, um Ölpalmen-Monokulturen anzupflanzen, und das Fett aus diesen Plantagen ist als weltweit billigstes Pflanzenfett in unglaublich vielen Lebensmitteln drin. Um nachzuhören, ob womöglich auch in unseren, haben wir bei den Herstellern nachgefragt und auch sonst recherchiert – wer einen Blick auf die Komplexitäten der Nachhaltigkeitsfrage werfen möchte, kann die Details in diesem Tagebucheintrag nachlesen.

Nachhaltigkeit bzw. deren Fehlen
Wer dagegen einen gröberen Überblick bekommen möchte, der die Details eher ausspart, dem sei das kleine, online guckbare Filmchen The Story of Stuff empfohlen – ein polemischer Rundumschlag, der im Grunde nicht viel Neues mitteilt, aber die großen Zusammenhänge der allgemeinen Un-Nachhaltigkeit auf beeindruckende Weise anschaulich macht. Auch wenn der Tonfall der Protagonistin mit ihrem eher sesamstraßig-missionarisch-pädagogischen Enthusiasmus sicherlich nicht allen gefallen wird, ist das Projekt den 22minütigen Blick wert.

Das Wetter
wird wieder gut! Wenn das nicht die beste Nachricht von allen ist.

Na, dafür, dass es wenig Neues gab, ist doch wieder Einiges zusammengekommen. Dank euch für Geduld und Interesse!
Und schönen Tag noch.

Anne, Berit, Florian, Nico und Reuli

 

warenwirtschaft.

milch machen

Aus aktuellem Anlass und um der Medienaufmerksamkeit seriös und professionell zu begegnen: Was zwischen Kuh und heimischem Kühlschrank mit unserer Milch gemacht wird.
Vorzugsmilch haben wir nicht, hatten wir aber mal – es handelt sich um die unbehandelteste Milch, die im Handel zu kriegen ist. Sie wird lediglich gefiltert und dann verpackt, muss innerhalb von 96 Stunden nach Austritt aus der Kuh verzehrt werden und unterliegt äußerst strengen Hygienevorschriften, was die Herstellung für den Produzenten sehr aufwendig macht. Der Hamfelder Hof hatte Vorzugsmilch im Angebot, bis die gesetzlichen Hygienebestimmungen für den Verkauf dieses Produkts so sehr verschärft wurden, dass die notwendigem neuen Verfahren den Kostenrahmen gesprengt hätte. Also hat der Hamfelder Hof bis auf weiteres darauf verzichtet, Vorzugsmilch zu produzieren, und wir damit auch darauf, sie zu verkaufen.

Frischmilch haben wir natürlich, und zwar im blauen und roten Tetrapak vom Hamfelder und in der Flasche vom Arpshof. Die Arpshof-Milch wird lediglich pasteurisiert – das heißt, für 15 bis 30 Sekunden auf 72 bis 75 Grad erhitzt und danach sofort wieder abgekühlt. Beim Pasteurisieren handelt es sich um ein schonendes und für alle Milchprodukte außer Vorzugsmilch gesetzlich vorgeschriebenes Verfahren, das die Haltbarkeit der Milch erhöht, krankheitserregende Keime (wegen denen Vorzugsmilch manchen Experten als bedenklich gilt) abtötet und den allergrößten Teil der „guten“ Inhaltsstoffe erhält. Pasteurisierte Milch ist insgesamt acht bis zehn Tage haltbar.

Die Hamfelder Frischmilch (die vollfette im blauen und die fettarme im roten Tetrapak) ist zwar ebenfalls auf der Packung als lediglich pasteurisiert ausgewiesen (was von Gesetzes wegen durchaus in Ordnung so ist), ist aber mit einem Verfahren behandelt, das sich von der üblichen Pasteurisierung unterscheidet: Sie wird durch Injektion von 125° heißem Wasserdampf auf wesentlich höhere Temperaturen gebracht – allerdings nur für sehr kurze Zeit, nämlich 1 – 1,5 Sekunden, bevor sie wieder auf 2° abgekühlt wird. Dieses Vorgehen in Verbindung mit der sorgfältigen sterilen Abfüllung erhöht die Haltbarkeit der Milch auf bis zu drei Wochen.
Laut Hamfelder Hof gibt es zwischen herkömmlicher pasteurisierter Milch und der im Injektionsverfahren behandelten keine messbaren Unterschiede. Tatsächlich ist man dort sehr stolz auf diese schonende, verlustfreie Haltbarmachung der Milch; das Verfahren ist in dieser Form in Deutschland einzigartig. Somit handelt es sich bei der Hamfelder Milch in allen Varianten zwar um eine sogenannte „ESL“-Milch (Extended Shelf Life), aber die Methode, mit der die längere Haltbarkeit erreicht wird, bewahrt Qualität, Inhaltsstoffe und Geschmack besser, als es bei anderen Herstellern der Fall ist.

Die braun bedruckte Hamfelder „Längerfrische„, und das ist leider ziemlich irreführend, ist zwar auf der Packung als „längerfrisch“ und „hocherhitzt“ und nicht als Frischmilch ausgewiesen, unterscheidet sich aber von ihren blauen und roten Geschwistern nicht durch höhere Erhitzung – sie wird demselben Erhitzungsverfahren unterzogen wie die anderen beiden auch. Die Haltbarkeit von bis zu vier Wochen wird durch eine zusätzliche Homogenisierung erreicht. (Die beiden Frischmilche sind nicht homogenisiert, weshalb sich nach ein paar Tagen eine Rahmschicht auf der Oberfläche bilden kann, die nix schadet und durch Schütteln wieder unauffällig wird.) Bei der Homogenisierung wird die Milch wird unter sehr hohem Druck auf eine Metallplatte gespritzt. Dabei zerplatzen die enthaltenen Fetttröpfchen in sehr viel kleinere Fetttröpfchen, die sich besser und gründlicher in der Milch verteilen und dort auch länger bleiben, so dass sich kein Rahm bildet. Manche Ernährungsexperten sind der Meinung, dass homogenisierte Milch leichter verdaulich ist, andere denken, dass die kleineren Fetttröpfchen leichter ins Blut geraten und unter Umständen Allergien auslösen können – ganz einig ist man sich also nicht. Die Homogenisierung erhöht jedenfalls die Haltbarkeit um einige Tage.

Die Demeter-Flaschenmilch vom Arpshof ist eine klassische, nach dem üblichen Verfahren pasteurisierte und nicht homogenisierte Frischmilch und das Produkt der Wahl für diejenigen, die ein möglichst naturbelassenes Produkt kaufen möchten und sich mit der geringeren Haltbarkeit von einer guten Woche arrangieren können. Dafür gibt es verschiedene gute Gründe: Auf kurzen Transportwegen wie diesem ist eine Mehrwegflasche die umweltfreundlichere Verpackungsvariante. Die Arpshof-Milch ist unsere günstigste. Und: Der Arpshof ist der letzte Hof in Norddeutschland, der seine Milch selbst aufbereitet und vertreibt, also seine eigene Milchmarke hat. Alle anderen haben das Milchgeschäft entweder aufgegeben oder geben ihre Milch an große Meiereien ab, weil sich eine eigene Vermarktung nicht mehr trägt. Das tut sie übrigens im Fall des Arpshofes auch nicht, aber die Leute dort machen damit weiter, weil es ihnen Freude macht. Und wenn der Arpshof das so sagt, dann glauben wir denen das. Mit dem Kauf der Arpsmilch leistet man also einen Beitrag zum Fortbestand eines regionalen, mit Liebe gemachten Produktes mit Identität und Charakter, das obendrein gut schmeckt.

Den SZ-Artikel über das Für und Wider der verschiedenen Milche, der wohl für einen guten Teil des Aufruhrs um ESL-Milch verantwortlich ist, lese der interessierte Mensch hier. Der Text, der heute auf der Website des Hamfelder Hofs als Reaktion auf dem Rummel erschien, ist hier anzuschauen.

für die nachwelt

Damit es nie, nie in Vergessenheit gerät und Generationen von zukünftigen Fans darüber staunen können: Die warenwirtschaft war im Fernsehen. Zugegeben, es ist jetzt schon eine Weile her, dass der Beitrag ausgestrahlt wurde, und noch länger, dass das Filmteam bei uns zu Besuch war – schaut nur die leichte Kleidung der Protagonisten! Hach, Sommer! – aber die Mühlen der Bio-Branche malen langsam. Wir brauchen eben unsere Zeit. Wir lassen dem Wirsing alle Ruhe, die er braucht, um seine volle Reife zu entfalten. So oder so: Hier ist er, der Film. Aus der NDR-Sendung „Markt!“ vom 24.11.2008. Das eine oder andere möchten wir noch ergänzend und richtigstellend hinzufügen: Florian und Nico sind schon eine ganze Weile keine Studenten mehr, sondern richtige Akademiker mit ordnungsgemäßen Abschlüssen. Und Berit und Reuli hatten ihr Café auch nicht so richtig alleine, sondern waren, wie in der warenwirtschaft auch, Teil eines Kollektivs, das nach wie vor besteht und sich sicherlich wundern würde, zu erfahren, dass die beiden die Kollektiv-Idee wohl irgendwie missverstanden haben… Zu guter letzt, wie schon an vielen Stellen erwähnt: Die Idee für das Mitglieder-Modell ist nicht unsere gewesen, sondern hat Tradition.

geflügel-engpass

Wie viele andere in der Branche sind auch wir von der Sperrung des Bioland-Betriebes RoBert’s Geflügel betroffen. Geschlossen worden ist da durchaus zu recht: RoBert’s ist eine Vertriebsfirma für die Produkte verschiedener Bioland-Geflügelhöfe. Einer dieser Höfe hat deutlich gepfuscht: Statt dem von EG-Bio- und Bioland-Richtlinien vorgeschriebenen Bio-Futter ist konventionelles Futter in großen Mengen zugekauft und verfüttert worden – damit sind Tiere als bio gehandelt worden, die nicht bio sind. Der Bioland-Verband hat dem Hof fristlos gekündigt. Nun ist der Besitzer des betreffenden Hofes, Berthold Franzsander, zugleich Gesellschafter bei RoBert’s, und auch dort ist nicht hundertprozentig seriös gearbeitet worden: Leider konnte RoBert’s die Herkunft der verschiedenen vertriebenen Produkte nicht nachvollziehen, so dass nicht klar ist, welches Fleisch von den korrekt wirtschaftenden Höfen stammt und welches vom Franzsander-Hof – also ist auch der Vertriebsfirma RoBert’s ein Vermarktungsverbot auferlegt worden. Hier findet ihr die Stellungnahme von Bioland, undhier einen Artikel zum Thema in der taz.
So ein Ereignis kann man nur mit viel Mühe ins Optimistische wenden: Die Tatsache, dass es bemerkt wird, spricht dafür, dass die Kontrollen funktionieren. Trotzdem ist ein solcher Sturz natürlich nicht nur für euch ärgerlich, die guten Gewissens Bio-Preise für nicht hundertprozentige Bio-Ware bezahlt haben, sondern immer auch ein herber Schlag für eine Branche, in der jenseits der unentbehrlichen Kontrollen Glaubwürdigkeit und über langjährige Geschäftsbeziehungen aufgebautes Vertrauen eine große Rolle spielen.
Für unseren und euren Alltag bedeutet das zunächst mal eine Geflügelknappheit – RoBert’s war einer der größten Vertreiber von Bio-Geflügel, und es wird ein Weilchen dauern, bis andere Betriebe sich entsprechend aufgestellt haben, um die Lücke zu schließen. Voraussichtlich werden wir in Zukunft verstärkt auf Geflügel vomBauckhof setzen. Der Bauckhof ist ein Demeter-Betrieb, der seit vielen Jahren sehr gute und konsequente Arbeit macht, in letzter Zeit am Aufbau einer Geflügelproduktion arbeitet und das jetzt mit dem Ausscheiden von RoBert’s natürlich umso nachdrücklicher tut. Fürs erste allerdings ist unser Fleischrepertoire deutlich kleiner geworden; die aktuelle Bestell-Liste findet ihr wie immer hier und im Laden auf dem Tresen. Falls Ihr dennoch Geflügel bestellen wollt, geht das momentan nur unter Vorbehalt – wir werden dann bei unserem Großhändler im Einzelnen nachfragen, ob und zu welchem Tag das zu kriegen ist und Euch dann telefonisch Rückmeldung geben. Aber auch das wird bald wieder besser und einfacher.