warenwirtschaft newsletter 32

warenwirtschaft

Hamburg, im Oktober 2011

Guten Morgen!
Wie ein Rauschen im Laub kommt dieser herbstliche Rundbrief zu euch, wie ein Tee mit Rum am Kamin, wie ein rauher Wind, wie ein schlechter Vergleich. Denn: Jetzt ist Herbst, und es wird mal wieder dringend Zeit.

Unser dritter Geburtstag ist über uns hinweggerollt, ohne dass wir es so richtig gemerkt haben – gerade noch haben wir es geschafft, zwischen Tür und Angel mit einem Prosecco (Il Ponte, Mitgliederpreis heute nur 4,11) darauf anzustoßen, und dann war schon wieder anderes zu tun.
Da fragen einige von euch zu Recht: Wo ist denn die Party, die man zu einem solchen Anlass bitteschön veranstalten muss? Mit großen, vorwurfsvollen Augen seht ihr uns an, wir treten verlegen auf der Stelle und werden ganz rot. Aber dann antworten wir: Jetzt! Bzw., am Samstag, dem 22.10. ab 19 Uhr. War halt dieses Jahr nicht so einfach mit der Terminfindung, aber besser spät als nie, sagt mein Großvater immer. Außerdem sagt mein Großvater immer: Immer noch zu fünft? Wer hat denn da das sagen? Das kann nicht funktionieren! Bei Geld hört die Freundschaft auf! Das gibt nur Ärger Sieh mal zu, dass du den Laden übernimmst, sonst wird das nichts!
Aber das soll hier ja jetzt nicht Thema sein.
Dieses Jahr gibt es zum Einstieg ein bisschen Programm, um einen wilden Abend ruhig zu beginnen: Wir wollen etwas über den aktuellen Stand der Dinge im Laden berichten und darüber, wo es noch so hingehen soll – vielleicht sogar mit bunten Bildern und Powerpoint und so. Und dann gibt es eine kleine Lesung (Kultur!), in der vielleicht sogar verstellte Stimmen vorkommen, und womöglich auch ein eigener Text eines Newsletterautors, der glaubt, er sei nicht bloß Marketingfuzzi, sondern in Wirklichkeit ein richtiger Künstler.
Und dann machen wir laute Musik an, und Getränke gibt es auch. Wer kommt, wird es aller Voraussicht nach nicht bereuen.

einladung!

Und in diesem Zusammenhang gleich noch ein Terminhinweis: Am Donnerstag, dem 27.10. um 20:30 macht dasAnti-Atom-Büro Hamburg anlässlich des vermutlich am letzten Novemberwochenende anstehenden Castor-Transports eine Informationsveranstaltung bei uns im Laden.
Das gab es letztes Jahr auch – das war interessant, freundlich und gemütlich. Wenn dieses Jahr noch ein paar mehr Interessierte auftauchen, wird es sicher noch interessanter, freundlicher und gemütlicher.

Ein kleiner Aufruf zur Ordnung, weil der Zettel, den wir in dieser Angelegenheit in die Kinderecke gehängt haben, doch sehr klein ist und vielleicht übersehen wird: Wenn ihr mit Kindern bei uns seid, die bei uns in der Kinderecke spielen und Spaß haben, ist das toll. Nicht so toll ist, wenn wir die Kinderecke neunmal am Tag aufräumen müssen. Bitte helft doch euren Kindern dabei, ein bisschen klar Schiff zu machen, bevor ihr geht. Quasi erst das Vergnügen, dann die Arbeit.

Eine wesentliche Veränderung im Laden: Susana, die fast ein Jahr als Aushilfe bei uns gearbeitet hat, und das sehr gut, verlässt die warenwirtschaft und bricht zu neuen Ufern auf – man will ja nicht für immer auf einer 400-Euro-Stelle hocken, das ist also verständlich, aber sehr schade ist es doch. Alles Gute, Susana! Unsere neue AushilfeSusanne unterscheidet sich von ihr Gottseidank aber nur in wenigen Buchstaben.
Neee, das ist natürlich ein Witz.
Susanne ist neu bei uns, aber schon lange in der Branche unterwegs – wir sind zuversichtlich, dass sie sich so schnell einarbeiten wird, dass ihr sie bald von uns kaum noch werdet unterscheiden können.

Eine weitere wesentliche Veränderung, die eher schleichend passiert ist: Die ruhigen Zeiten sind endgültig vorbei. Heutzutage gibt es keinen Tag in der Woche, an dem wir hoffen dürfen, während der Arbeitsschicht in Ruhe irgendwelchen Kram im Büro erledigen zu können – über 500 Mitglieder wollen bedient werden, und das zu recht. Es stellt sich eine Art Endspurt-Gefühl ein; der Zeitpunkt, an dem das Boot voll ist, wird allmählich absehbar, und dann ist die warenwirtschaft da angekommen, wo sie immer hinwollte. Eine sehr schöne Entwicklung, aber auch eine, die richtig gehandhabt werden muss, damit unser Arbeiten und euer Einkaufen nicht stressiger werden, als sie unbedingt sein müssen.
Dank unseres neuen Kassensystems ist die Schlange schon eine ganze Weile nicht mehr so lang geworden, dass sie sich ums Gemüseregal wickeln musste, da sind wir wesentlich schneller geworden, und es stehen selbst an Samstagen selten mehr als vier oder fünf Leute an.
Dafür ergeben sich andere Flaschenhälse, an den Gemüsewaagen zum Beispiel, die oft von allen Seiten belagert werden. Und insbesondere an den ehemalig ruhigen Wochentagen, an denen wir nur zu zweit arbeiten, leidet der reibungslose Ablauf, und die Leute warten auf Käse, und eine Gemüsekiste nach der anderen leert sich, ohne dass man Nachschub aus dem Keller holen kann, weil man einfach nicht von der Kasse und aus dem Café wegkommt. Wir verbringen während solcher Schichten viel Zeit im Gerenne und kommen doch nicht recht hinterher, das ist frustrierend und schlägt sich auf die Laune nieder.
Das Waagen-Problem ist einigermaßen leicht zu lösen oder zumindest zu entzerren – in absehbarer Zeit werden wir eine dritte Waage aufstellen. Der andere Punkt ist natürlich nur in den Griff zu kriegen, wenn wir mehr Arbeitskraft im Laden haben, und die können wir alleine nicht bieten. Es nähert sich der Tag, an dem wir eine sechste volle Stelle für ein weiteres Kollektivmitglied einrichten werden, für jemand neuen, der dann ebenso tief drinhängen wird, wie wir es tun.
Dabei geht es um eine empfindliche Entscheidung, von der wir schon lange wissen, dass sie irgendwann fällig sein wird, und die uns ebenso lange ganz schön nervös macht. Wir werden unser Baby mit jemandem teilen! Das wird spannend und sicher für beide Seiten nicht ganz einfach. Und weil es sich um so eine tragweitenreiche Angelegenheit handelt, wird dieser eben angestoßene Prozess durchaus noch ein Weilchen brauchen. Für den Übergang werden wir eine weitere Aushilfe anstellen, aber außerdem bitten wir euch um Geduld, wenn mal wieder die Apfelkiste leersteht oder ihr an der Käsetheke ein paar Minuten warten müsst, bis euch jemand bedient – wir tun unser Bestes.

Jetzt aber ans Eingemachte.
Mit dem Beginn nächsten Jahres wird die warenwirtschaft die Mitgliederpreise der Produkte erhöhen müssen – bisher haben wir 10% auf die Einkaufspreise aufgeschlagen, ab Januar werden es 12% sein. Das tun wir nicht gerne, und wir haben lange mit uns gerungen, aber es gibt dafür einige stichhaltige Gründe, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Das ist viel zu lesen, deswegen vielleicht erstmal für diejenigen, die eher an harten Fakten interessiert sind, die Konsequenzen dieser Preiserhöhung. Bisher haben wir neuen Mitgliedern gesagt, dass sich die Mitgliedschaft bei uns ab einem monatlichen Einkauf von 50-60 Euro zu lohnen beginnt. Das werden wir auch nächstes Jahr weiter so sagen können. Zur Veranschaulichung eine Vorher-Nachher-Darstellung unseres bewährten Modell-Einkaufskorbs:

Produkt Normalpreis MG-Preis alt MG-Preis neu
Roggenvollkornbrot 1kg 3,95 € 3,05 € 3,11 €
Vollmilch 1l** 1,39 € 1,24 € 1,26 €
Butter 250g 2,69 € 2,08 € 2,12 €
Espresso 250g 4,49 € 3,79 € 3,86 €
Gouda 350g 4,79 € 3,31 € 3,37 €
Rohrohrzucker 1kg 4,99 € 3,59 € 3,66 €
Tomatenpassata 700g 1,99 € 1,64 € 1,67 €
Spaghetti 500g 1,19 € 0,99 € 1,01 €
Tomaten 1kg 3,60 € 2,11 € 2,15 €
Zucchini 1kg 3,50 € 2,18 € 2,22 €
1 Kopfsalat 1,50 € 0,88 € 0,90 €
Kartoffeln 1kg 2,40 € 1,59 € 1,62 €
Äpfel 1kg 3,20 € 2,11 € 2,15 €
Möhren 1kg 2,30 € 1,52 € 1,55 €
Kiste Apfelsaft (6 Liter) 11,34 € 8,58 € 8,74 €
Rotwein Rioja 6,19 € 4,45 € 4,53 €
Tube Zahncreme 1,99 € 1,33 € 1,35 €
Camembert 125g 2,35 € 1,65 € 1,68 €
Joghurt 500g 1,59 € 1,24 € 1,26 €
Waschpulver 1,2kg 7,98 € 6,53 € 6,65 €
Alles zusammen 73,42 € 53,86 € 54,84 €

Der Modellwarenkorb kostet euch also ab Januar knapp einen Euro mehr, ihr spart gegenüber den Normalpreisen nicht mehr 19,56, sondern nur noch 18,57.

Und warum erhöhen wir die Preise, wenn wir es doch so ungern tun? Aus folgenden Erwägungen:
Erinnert ihr euch an den merkwürdigen Satz auf euren Beitrittserklärungen, den mit der Anzahlung auf den Einkauf von Lebensmitteln mit Ausnahme von Getränken? Die Idee dahinter war: Wenn wir den Mitgliedsbeitrag nicht als Beitrag, sondern als Anzahlung auf den Einkauf von Lebensmitteln deklarieren, können wir ihn mit 7% Mehrwertsteuer versehen, wie man es mit Lebensmitteln auch tut, und nicht mit 19%, wie sonst bei Mitgliedsbeiträgen in Vereinen und so üblich. Dadurch bleiben von den 19 Euro Brutto , die wir euch pro Kopf abnehmen, mehr für uns übrig. Das schien uns und anderen, die wir danach gefragt haben, nachvollziehbar und logisch.
Inzwischen sind aber zwei befreundete Mitgliederläden durch Steuerprüfungen gegangen, bei denen klargeworden ist, dass eine solches Argument mit großer Wahrscheinlichkeit beim Finanzamt nicht durchkommt. Wenn wir geprüft werden, würde das bedeuten, dass wir bis zu vier Jahre rückwirkend die Mehrwertsteuer nachzahlen müssten, die wir bis jetzt nicht als solche abgeführt haben – sehr viel Geld, ein Risiko, das wir nicht eingehen wollen. Wir werden also ab Januar unsere Mitgliederbeiträge in vorauseilendem Gehorsam anders mehrwertvertsteuern, und die dadurch entstehenden Mehrkosten müssen irgendwie aufgefangen werden. Das ist Grund eins.
Grund zwei: Das Verhältnis zwischen Arbeitskraftbedarf und Gewinn ist leider immer noch nicht ganz rund. Wir haben eigentlich überhaupt nichts zu klagen: Der Laden wächst derzeit schneller denn je, die Umsätze werden mehr und mehr, und viele Leute kaufen mit viel Freude bei uns ein. Aber zugleich zeichnen sich die Grenzen des Wachstums ab. Wenn wir uns anstrengen und gut aufstellen, verkraftet der Laden noch hundert Mitglieder mehr, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger – und wenn zu diesem Zeitpunkt das Geld nicht reicht, um (dann zu sechst) entspannt davon leben und sich eine Altersvorsorge leisten zu können, tut unser Projekt nicht das, was es soll. Mit den Daten und Erfahrungen, die wir in nunmehr über drei Jahren gesammelt haben, können wir ziemlich genau voraussagen, wieviel Geld und Arbeit der Laden machen wird, wenn die maximal verkraftbare Mitgliederzahl erreicht ist – und das haut mit dem derzeitigen Preismodell für uns nicht hin.

Wir finden: Der Vorher-Nachher-Unterschied ist an den Preisen zwar spürbar, aber vertretbar. Die Mitgliedschaft bei uns wird sich weiterhin für euch rechnen. Immerhin kauft ihr durchschnittlich pro Kopf und Monat für über 130 Euro bei uns ein und befindet euch damit ohnehin weit oberhalb der Grenze, ab der es sich zu lohnen beginnt. Für uns allerdings, die wir für einen Laden unserer Größe gigantische Umsätze einfahren (von denen wir bisher wegen des Mitgliedermodells finanziell nicht besonders viel haben), bedeutet diese Erhöhung um zwei Prozent eine beträchtliche Menge mehr Geld, und damit die Lösung der oben beschriebenen Probleme, und damit das voraussichtlich endgültige Gelingen des Projektes warenwirtschaft. Wir finden: Das ist die Sache wert.

Und zuletzt: Erstaunlich viele neue Produkte. Das kommt davon, wenn man sich mit den Newslettern soviel Zeit lässt.

  • Pizza-Grissini
  • Schoko-Dinkelchen – sehr leckere kleine Knusperdinger
  • Nuss-Schnitte Haselnuss
  • Praliné Nougat und Praliné Joghurt-Orange (beide mit Faitrade-Siegel)
  • Double Choc Cookies Haselnuss
  • Mini Karamelwaffeln
  • Frucht Pur: Quitte, Rote Johannisbeere und Cranberry
  • Von Rapunzel: Hanföl, Hot Mexiko Ketchup, Mandel-Tonka-Creme, Schoki „Milch Michl“ sowie PRIMA Omega-3 Pflanzenmargarine
  • Von Santé : Nagellack in verschiedenen Farben, Nagellackentferner, verschiedene Haarfarben, Kinderschminkstifte, Zahncreme Myrre und Kinderschaumbad
  • Zeckenkarte zur sommerlichen Zeckenentfernung (naja, nächstes Jahr halt)
  • Steviapulver in Bio-Qualität (kann man kalorienlos mit süßen, schmeckt nicht so elend wie Süßstoff und ist ein Naturprodukt, hat aber zulassungstechnisch einen komplexen Hintergrund, siehe hier)
  • In den Kühlschränken: Frisches Löwenzahn-Pesto, Wheaty: Bratstück Kassler-Art, Granz Chorizo. Rostbräterle wieder im Programm. Söbbeke Herbstjoghurts Pflaume-Orangen und Birne-Haselnuss mit Karamel
  • Fast schon wieder vorbei: Federweißer (Zwiebeln haben wir auch da). Und was Besonderes: Whisky Farmer’s Club – Bio-Spirituosen gibt es ja nicht allzuviele. Alkoholfrei: Viva con Agua leise, das stille regionale Wasser jetzt auch in der hübschen großen Glasflasche. Sommer(!)sirup Colacola ohne Koffein, kann man sicher auch im Herbst mal trinken.
  • Allos Cremissimo Aufstriche werden ersetzt durch leckerere und lustigere von Evers, die da wären: Paula Pur, Susi Take, Abu-Kicher, Pepe, Don Olivo, Pfeffer-Michel, Jonathan, Olivia
  • Und noch: Toast und andere Aufbackwaren von Herzberger. Sehr lecker, aber leider mit nicht allzulanger Haltbarkeit und deswegen erstmal quasi als Testlauf bei uns im Regal. Wenn ihr sie kauft, bleiben sie da!

So, und das wär’s. Wer soll denn das wieder mal alles lesen? Nächstes mal vielleicht mit kleinerer Pause und dafür etwas kürzer, das wäre doch ein schöner Vorsatz. Bis dahin wünschen (heute vergeblich) einen goldenen Herbst:

 

 

Anne, Berit, Florian, Nico und Reuli

Übrigens: Fans können alte Newsletter aus vergangenen Zeiten hier im Archiv betrachten und zum Beispiel auswendig lernen.

 

 

 

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