newsletter #61

Da kommt man eines morgens zur Arbeit, und dann hat uns jemand sowas vor die Tür gemalt.

Wie schön ist das denn? 

Sehr schön ist das denn.

Wir danken einem unbekannten Menschen für diesen Ausdruck von Wertschätzung – und reichen ihn gleich zurück ins Publikum (nicht den Menschen, den Ausdruck).

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sonderdepesche corona 2

Es ist elf Uhr morgens. Ich sehe meinen Nachbarn nebenan komisch im sonnenbeschienenen Garten zappeln, dann komme ich raus und höre die Beats, er winkt mir von drüben zu.
“Heute Clubnacht!”
“Alleine?”
“Ganz alleine ist man nie. Ihr tanzt ja im Grunde auch mit.”
Solche Zeiten sind das. Unter anderem.

Wie ihr euch vorstellen könnt, ist unsere Arbeit gerade oft anstrengend und manchmal durchaus bedrückend.
Aber: Es geht uns gut.
Und wir sind dafür sehr dankbar, denn wir müssen nicht weit nach links und rechts gucken, um zu erkennen, dass wir wesentlich weniger hart von der Krise getroffen werden als viele, viele andere. Wir können weiter unseren Lebensunterhalt verdienen und müssen uns, anders als viele, viele andere, keine Sorgen um unsere berufliche Zukunft machen.
Außerdem haben wir, das wird schnell klar, wenn man mal einen Schritt in andere Läden macht, eine außerordentliche Kundschaft, die überdurchschnittlich besonnen bleibt und von der uns viel Dankbarkeit entgegenschlägt – auch das sorgt dafür, dass uns in schweren Zeiten die Arbeit leichter von der Hand geht.

Das war das Zuckerbrot der Wertschätzung. Es folgt die Peitsche der Sachlichkeit.

Eintrittskaufswagen
Ihr findet jetzt eine beschränkte Anzahl Einkaufswagen draußen vor der Tür. Wer einkaufen möchte, nehme sich einen mit rein. Wenn keine mehr da sind: Bitte warten, bis wieder einer rauskommt. So stellen wir sicher, dass sich nicht zu viele Leute gleichzeitig im Laden befinden, ohne dass wir ständig zählen oder einen Kontrolleur an die Tür stellen müssen.
Damit sollte jederzeit genug Platz bei uns sein, dass ihr den Abstand zueinander halten könnt, den dieser Tage der Anstand gebietet – gerne auch im Eingangsbereich, wenn gleichzeitig Leute rein- und rauswollen.
Diese Möglichkeit zu nutzen und dabei freundlich und respektvoll zu bleiben, ist an euch.
Dass ihr wenn irgend möglich bitte allein einkaufen kommt, sollte inzwischen hoffentlich bei allen angekommen sein.

Bezahlen
Wir haben das Limit für EC-Zahlungen von zehn auf null Euro gesenkt, ihr könnt also jetzt auch bei kleinen Beträgen den Kassiervorgang nahezu vollständig kontaktlos belassen, wenn euch danach ist. Dazu sei gesagt: Nach unserem bisherigen Wissensstand geht von Bargeld keine größere Ansteckungsgefahr aus als von Türklinken, Einkaufswagen und anderen häufig angefassten Dingen. Und keine geringere als vom PIN-Eingabefeld auf dem EC-Kartenleser. Und insgesamt sowieso nur eine sehr kleine, die durch ordentliche Handhygiene gut Richtung null minimiert werden kann.
Abstand halten, Handhygiene und natürlich nicht Rumhusten – das sind die Maßnahmen, über deren große Wirksamkeit nach wie vor der breiteste Konsens besteht.

Mehr Bezahlen
Euch sind vielleicht ein paar erstaunlich teure Gemüse aufgefallen. Uns auch. Derzeit fahren die Spediteure aus Italien und Spanien, die uns Ware bringen, in vielen Fällen leer wieder zurück, weil in ihrer Heimat die Wirtschaft stillsteht und kaum Importe benötigt werden. Dadurch erhöhen sich die Kosten, die sie den Großhändlern für den Transport berechnen müssen, und damit letztendlich auch die Preise an unserem Gemüseregal.
Auch das geht vorbei.

Einkaufshilfe
Es häufen sich bei uns die Anfragen, ob wir Einkäufe für quarantänisierte Mitglieder zusammenstellen und irgendwie Übergaben organisieren können. Wir haben das vereinzelt gemacht, wir sehen ja die Not und wollen helfen – aber als das mehr wurde, haben wir schnell gemerkt, dass wir das als Laden nicht leisten können und ihr euch da privat drum kümmern müsst.
Unsere Personaldecke ist schon immer dünn, dieser Tage noch mehr, und das bei einer deutlich erhöhten Arbeitsbelastung. Wir sind also gerade ohnehin ziemlich an der Kante damit, unsere zentrale Aufgabe zu erfüllen: Den Laden am Laufen zu halten und die Regal voll.
Sagt es gern weiter: Wer Hilfe braucht, beim Einkaufen oder anderen Sachen, oder wer einfach mal aus der Einsamkeit der eigenen vier Wände heraus reden will, kann sich jeden Tag zwischen 10 und 15 Uhr an die folgende Nummer wenden:
0176 2920 8918
Es handelt sich um eine lokale, von engagierten Leuten privat organisierte Corona-Hotline für Hamburg, die Hilfsbedürftige und Hilfswillige aus der Nachbarschaft zusammenbringt.
Auch wer gesund ist und mithelfen möchte, ist hier sehr willkommen – Hilfsanfragen werden über Stadtteilgruppen im Messenger-Dienst Telegram verteilt, die man hier findet.

Die nicht wir sind
Der Griff zu Amazon & Co. ist in diesen Tagen sehr verlockend, das liegt auf der Hand. Zugleich ist er schädlicher denn je in einer Zeit, in der der kleine und mittlere Einzelhändler und Gastronomen vom Virus komplett weggewischt zu werden drohen. Viele kleine Hamburger Betriebe, die nicht mehr normal arbeiten können, haben andere Wege gefunden, ihre Ware an den Menschen zu bringen. Hier eine wachsende Liste.

Soweit.
Mit den Maßnahmen, die wir inzwischen im Laden umgesetzt haben, können wir das Infektionsrisiko natürlich nicht ganz ausschalten – aber doch drastisch reduzieren. Nach dem wilden Aufruhr der ersten Tage sind wir nun gut aufgestellt und ganz zuversichtlich, gemeinsam mit euch diese merkwürdigen Zeiten zu durchschiffen und weitestgehend intakt auf der anderen Seite wieder rauszukommen.

Und bis dahin? Gehen wir einander aus dem Weg wie Aussätzige oder Aussätzigen (wer weiß das heutzutage schon) und wissen noch nicht recht, mit welchem Gesichtsausdruck wir dabei am besten die komplexen Gefühle ausdrücken können, die damit einhergehen: Tut mir leid, ich meine es gut, nimm es mir nicht übel, guck, ich lächle, danke, dass du auch lächelst.
Ein bisschen unbeholfen, ein bisschen rührend, sehr menschlich ist das.
Solche Zeiten.
Glückauf!

Eure warenwirtschaft.

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WINTERBERG

Winterberg, das liegt ja auf der Hand, ist kein Wintersportort im Sauerland, sondern das Gegenteil von Sommerloch. Soll heißen: Voll viel los gerade. Seit unserem letzten Newsletter im Mai (Genau! Der mit den Verpackungen! Unser meistdiskutierter Newsletter aller Zeiten, der es bis in die Vorstandsetagen von internationalen Biomultis in aller Welt geschafft hat, oder theoretisch hätte schaffen können, wer weiß) — seit also diesem letzten Newsletter hat sich das eine oder andere Erzählenswerte angehäuft. Man weiß es zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht, aber es besteht eine gewisse Chance, dass das hier wieder mal ein eher etwas längerer Text wird. „newsletter_60“ weiterlesen

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VERPACKT. VERTRACKT. VER… HOBEN.
 
Leute, ihr macht euch kein Bild, wie lang dieser Text schon mal war. Das Krieg und Frieden unter den Newslettern. Ein paar kleine Handreichungen zum Verpackungs-Kauf- und Recyclingverhalten wollten wir geben, nichts weiter – aber die Materie ist so kompliziert, die Informationen dazu so widersprüchlich und die Ergebnisse oftmals so wenig intuitiv, das man fast unweigerlich vom Hundertsten ins Tausendste und Zehntausendste dabei kommt. Und was dabei rausgekommen ist, ist niemandem, der neben Newsletterlektüre noch andere Pläne im Leben hat, guten Gewissens zuzumuten gewesen.

Hier jetzt die radikal gekürzte Version, die nach viel hin und her ihren Frieden damit gemacht hat, dass sie kaum endgültige Antworten geben kann. Und selbst die ist noch elend lang.

Wer sich nicht durch die ganze Herleitung lesen mag, kann einmal ganz unten nach den konkreten Handreichungen für verbessertes Verpackungskonsumverhalten schauen; da untendrunter steht dann auch wie immer, was es alles so an neuen Produkten bei uns gibt und so. Na da unten halt. Man kann es von hier oben nur an besonders klaren Tagen deutlich erkennen, wegen der großen Entfernung. 

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