Ich liebe Fleisch. In nahezu allen Erscheinungsformen. Wenn der Duft von Gegrilltem durch die Straßen zieht, weckt mir das die Sehnsucht; schon der Gedanke daran macht mir gute Laune. Wenn jemand allzu aufdringlich versucht, mich vom Fleischkonsum abzubringen, reagiere ich schnell allergisch, ganz besonders, wenn es auf eine Weise passiert, die mir irgendwie militant, dogmatisch oder von oben herab vorkommt: Mundwinkel nach unten verzogen, angewiderter Blick, ungläubiger Tonfall: „Du isst Leichen? Du bist nicht besser als Hitler!“
Gut, ich übertreibe. Zugegeben, ich übertreibe ein ganzes Stück. Beim Wurstgenuss hat man mich bisher weder mit Hitler noch mit anderen Schurken von Rang verglichen. Nichtsdestotrotz werden mir andere Fleischesser Recht geben: Situationen solcher Art kommen vor, sie machen uns zornig, wir mögen diese Leute nicht, und vor allem: Der sendungsbewusste Vegetarier erreicht damit genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich erreichen wollen sollte, eine Art Jetzt-erst-recht-Effekt.
Das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer, ein Plädoyer für den Fleischverzicht, habe ich trotz meines Widerstandes gegen solche und andere Missionierungsversuche lesen müssen, weil Foer zuvor zwei sehr schöne Romane geschrieben hat, die Ehrenplätze in meinem Bücherregal haben.
Ähnlich wie seine Romane habe ich auch sein Sachbuch innerhalb von drei Tagen verschlungen, und seitdem muss ich viel darüber nachdenken.
Er schreibt undogmatisch und nicht reißerisch, er schreibt sehr gut, vielleicht manchmal ein bisschen zu sentimental, aber nie unter Verwendung eines Holzhammers. Und vor allem schreibt er ...