warenwirtschaft gespiegelt
da fragten uns medienvertreter nach bildern und antworten auf fragen zum thema nachhaltigkeit und fair handeln und so. wir zögerten nicht, unseren profiliertesten medienprofi *räusper* aufs parkett zu werfen. das ergebnis ist doch nicht ganz so schlecht geworden und gibt es nun in diesem internet zu sehen. hier anschauen und dann mitreden!
warenwirtschschaft newsletter_38

Hamburg, nachts, im ausgehenden im Januar 2013
Liebes Ladenvolk,
im neuen Jahr begrüßen wir euch fröhlich mit der Nachricht: Alles wird teurer!
Aber das kennt man ja schon, das wirft ja heutzutage niemanden mehr um, und sicher bleiben wir alle gutgelaunt, und in der Regel ist es ja für eine gute Sache.
Des Huhnes Bruder
Ihr werdet höchstwahrscheinlich bemerkt haben, dass zu Beginn des neuen Jahres unsere Eier vorübergehend einen beträchtlichen Preissprung nach oben gemacht hatten. Ihr werdet euch hoffentlich gedacht haben, dass das sicher seinen Grund hat – wenn ja, danken wir für euer Vertrauen und bestätigen hiermit: Ihr hattet recht. Seit dem 1.1.2013 läuft die sogenannte „Bruderhahn-Initiative“ beim Bauckhof, der Arpshof ist ab Anfang März mit der neuen Hühnerherde dabei, ab dann werden unsere Eier auch dauerhaft auf diesem gehobenen Preisniveau liegen.
Was man wissen muss, um diese Kampagne gut zu finden: Die Hühner, die eure Eier legen, und die, die auf euren Teller kommen, sind sehr unterschiedliche Tiere. Die leistungsorientierten Züchtungsmaßnahmen der Vergangenheit haben dafür gesorgt, dass es heute eine Sorte Huhn gibt, die sehr gut darin ist, Eier zu legen, und eine andere, die ordentlich Fleisch produziert. Alte Hühnerrassen, die beides ganz gut konnten, sind schon vor Beginn der Bio-Bewegung weitestgehend verschwunden und werden nur hier und da noch von einigen Liebhabern gehalten.
Die traurige Konsequenz davon, auf die man leicht kommt, wenn man einmal drüber nachdenkt, aber irgendwie denkt man in der Regel nicht genug nach: Jedes Jahr werden sämtliche Brüder der 34 Millionen Legehennen, die in Deutschland tätig sind, nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet – Hähne legen keine Eier, und Hähne einer auf Eierlegen optimierten Hühnerrasse produzieren nicht genug Fleisch, als dass sie jemand als Brathuhn essen wollte. 34 Millionen Küken, jedes Jahr, für nichts.
Das Problem ist schon lange bekannt. Im Laufe des letzten Jahres haben sich nun einige Hühnerhalter und Vertriebsunternehmen aus der Bio-Branche zusammengetan, um daran mit sofortiger Wirkung etwas zu ändern.
Das bedeutet ein weiteres Qualitätssiegel, auf dass der Verbraucher achten sollte (jaja, von den Dingern gibt es eigentlich schon zu viele, aber dieses hier ist wichtig!): Das BID-Siegel. Bei Eiern mit diesem Siegel ist garantiert, dass die männlichen Legehühner nicht mehr getötet, sondern mit aufgezogen werden, in artgerechter Haltung nach den sehr strengen Demeter- und Bioland-Richtlininen.
Die Kosten, die dabei entstehen, können die Hühnerhalter alleine nicht stemmen, dafür ist die Preiserhöhung nötig, für die der Verbraucher allerdings sicher sein kann, dass diese sogenannten „4 Cent für die Ethik“ ausschließlich für die Aufzucht der Bruderhähne verwendet werden.
Langfristig ist das Ziel der Initiative die Züchtung einer Hühnerrasse, bei der sowohl die Vermarktung von Fleisch als auch die von Eiern wirtschaftlich und ethisch tragbar wird, aber gewöhnen wir uns schonmal an den Gedanken:
Wer sich von dem Übeln der Massentierhaltung verabschieden möchte (was immer leicht gesagt ist) und nicht das Zeug zum Veganer hat, wird in Kauf nehmen müssen, dass er für seine Tierprodukte mehr Geld, und zwar deutlich mehr Geld wird bezahlen müssen, alles andere wäre Zauberei, und die gibt es nur im Märchen, und vielleicht bei diesem David Copperfield in den Neunizgern (was macht der eigentlich heuzutage?).
Auch das Café will Geld verdienen
Und nun noch eine Preiserhöhung, die mal nicht auf die Kappe unserer Zulieferer geht, sondern auf unsere eigene: Nach über vier Jahren haben wir die Preise im Café ein wenig angehoben. In dieser Zeit sind sämtliche Zutaten, aus denen wir unsere Sachen zubereiten, deutlich teurer geworden, insbesondere der Kaffee, und wir haben lange versäumt, darauf zu reagieren.
Irgendwie schade, nicht mehr supergünstig zu sein, aber im Ottenser Vergleich stehen wir immer noch deutlich am unteren Ende des Preissprektrums, so kommt hoffentlich was dabei raus, das für beide Seiten fair ist.
Biometrische Gemüsezettel
Manchmal finden wir abends beim Putzen um und bei den Waagen verwaiste Gemüsezettel über beträchtliche Beträge, und dann raufen wir uns die Haare, rollen mit den Augen und rotieren wie Mühlräder vor Zorn, Frust, Trauer und Erschütterung. Sicherlich vergisst die niemand mit Absicht, aber für uns ist das dann trotzdem verlorenes Geld, denn man weiß ja nie, wer’s war.
In enger Zusammenarbeit mit dem Innenministerium, Google, der GEZ und der Schufa haben wir deshalb ein Verfahren entwickelt, das den User des jeweiligen Gemüsezettels für uns klarer identifizierbar macht: Super wäre, wenn ihr eure Mitgliedsnummer auf die Zettel schreiben könntet. Zum einen können wir euch dann im Fall des Falles gnadenlos nachstellen, zum anderen hat man die Nummer dann gleich an der Kasse parat und kann loskassieren. Win win.
Die Neue
Und jetzt mal eine Nachricht über ein Ereignis, das nix mit teuer oder billig zu tun hat, sondern mit schön. Seit Januar im Boot, möchten wir euch hiermit offiziell unsere vorübergehende Neue vorstellen: Arina übernimmt für ein halbes Jahr die Ladenstunden von Nico, der seit ein paar Tagen in Elternzeit ist (und dort nachts am Computer sitzt und Newsletter schreibt, die gute Seele, das ist ja rührend!).
Arina ist eine Kundin der ersten Stunde (sie hat noch eine der legendären 11er-Nummern, von denen Andere nur im ehrfürchtigen Flüsterton sprechen) und ist hinterm Tresen ebenso freundlich und sympathisch, wie sie es davor immer gewesen ist. Hoffentlich macht sie ihre Sache nicht zu gut, denn Nico möchte sich trotz der Freude an seiner neuen Aufgabe weiterhin bitteschön im Laden unentbehrlich fühlen.
Die Alte
Sehr schade: Unsere potentielle sechste Kraft Louisa hat sich dagegen entschieden, ihr Sechstkraftpotential auszuschöpfen. Wir waren naiverweise davon ausgegangen, dass man nur jemanden finden muss, den man gern mögen kann und der Rest sich dann von selbst ergibt (und wir mögen uns gegenseitig ganz wunderbar). Dummerweise müssen einem aber offenbar (wer hätte das gedacht) die Arbeit selbst, die Stadt und noch zwei drei andere Sachen zusätzlich richtig gut passen, bevor man Lust hat, sich auf lange Sicht in ein Kollektiv einzuheiraten, und dafür reicht es leider nicht. Louisa bleibt noch ein paar Monate bei uns und zieht dann weiter; beim Gernemögen allerdings bleiben wir unbefristet.
Ein Datum
Als eines der am besten organisierten Unternehmen Norddeutschlands haben wir schon jetzt festgelegt, wann wir in diesem Jahr für die Sommerschließzeit die Türen zumachen. Nämlich: Vom 8. bis zum 21.7. Wer sich das jetzt schon vermerken mag, weil er ähnlich gut organisiert ist, soll das tun.
Ein Hinweis
Echte Raritäten: Die unveröffentlichten und nie fertiggestellten Kinospots der warenwirtschaft – jetzt für Kenner online an diesem geheimen Ort.
Neue Produkte
von Sommer:
- (Knabber-) Gebäck: Pane Picco Asia und Sesam-Schwarzkümmel; Dinkel-Snacks Natur und Kräuter der Provence, Dinkel-Cantuccini, Dinkel Cookies Schokolade-Mandel
von Zwergenwiese:
- streich’s drauf Arrabitom und Papayango
- Gelees: Holunderblüte, Rote Johannisbeere
Glutenfreie Produkte von der Hammer Mühle:
- Mehl-Mix und n Back-Mix für Körnerbrot
- Florentiner und Baumkuchen
- Waffelröllchen und – Blättchen in Zartbitterschokolade
- es gäbe noch Cerealien und Aufbackgebäck zu bestellen – bitte die gute Berit bei Bedarf ansprechen
weiterhin
- von deRit: Shortbread
sowie
- 2 neue Pesti, klassisch rosso und verde von einem guten Familienbetrieb in Demeterqualität
von Rapunzel:
- Kokosöl – lecker für asiatisch kochen, und man höre und staune: 1A gegen trockene Hände
- Pepperoncini-Créme, gegrillte Paprika in Lake, Nuss-Mix geröstet und gesalzen
Außerdem:
- Hirse- und Hirseflocken aus dem Spreewald, und damit quasi fast regional.
- Bananenchips honeydipped von Bode
von Naturata:
- weiße Chocolat Reismilch
- Die neue Birkenserie von Urtekram
- Neue Haarpflegeprodukte von Lavera
- noch mehr Auswahl von khadi-produkten
- Den Rest wie immer vergessen
Das soll es dann erstmal wieder für eine Weile gewesen sein.
Es ziehen die Hüte und wünschen schallend und im Chor ein schönes neues Jahr:
Anne, Berit, Florian, Louisa, Nico und Reuli

warenwirtschaft.
Übrigens: Fans können alte Newsletter aus vergangenen Zeiten hier betrachten und zum Beispiel auswendig lernen.
die warenwirtschaft kommt nicht ins kino
Wir KONNTEN uns einfach nicht entscheiden, welchen von beiden wir auswählen und zuendeproduzieren sollten. Und dann mussten wir ja auch noch neue Musik machen. Und dann war die falsche Saison. Und dann haben wir es für ein paar Monate vergessen. Und dann war wieder nix passiert. Und dann war gerade so viel Arbeit.
Und jetzt… sind wir fast voll und wären blöd, soviel Geld auszugeben, die Dinger in kinokompatibles Format zu überführen und im Zeise laufen zu lassen, wenn wir ohnehin kaum noch Platz für neue Mitglieder haben und Werbung inzwischen keinen Sinn mehr macht. Aber eben habe ich sie mir nochmal angesehen – wär doch schade, wenn sie nie jemand zu Gesicht kriegen würde.
warenwirtschaftsclip – realfilm from warenwirtschaft on Vimeo.
warenwirtschaftsclip – trickfilm from warenwirtschaft on Vimeo.
macht zu die tür!
Wie schon im Newsletter angekündigt, schließen wir auch dieses Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr unsere Pforten, um in uns zu gehen, mit Muße und Ruhe die Geschenkberge zu erklimmen und dem strapazierten Ladengeschäft eine Auszeit zu gönnen.
Direkt im Anschluß daran wird im Rahmen unserer alljährlichen Inventur für einen Tag alles gezählt was nicht bei drei auf den (Bio-)Bäumen ist.
Das bedeutet:
Die warenwirtschaft ist vom
Montag, dem 24.12.2012,
bis einschließlich Mittwoch, dem 02.01.2013,
geschlossen!!!
Kurz vor Weihnachten gibt es zu Euren Gunsten dezent veränderte Öffnungszeiten:
Samstag, 22.12.2012 9 Uhr bis 16 Uhr (statt 14 Uhr)
Und – zack – sind wir mitten in 2013!
Wird bestimmt super…
Bis gleich!
das leben der hühner
Es steht schlecht ums Huhn, manchmal sogar, wenn es Bio ist – das ist derzeit in der Presse nicht zu übersehen. Was uns am aktuellen Bio-Huhn-Skandal mehr aufscheucht, als es bei den anderen der Fall war: Diesmal ist mit dem Naturland-Hof Tiemann ein Verbands-Bio-Betrieb betroffen, und wir können uns nicht wie manch anderes Mal darauf ausruhen, dass sowas ja nur in Auf-Teufel-Komm-Raus-Billig-Discount-Bio-Betrieben passiert.
Trotzdem zur Beruhigung: Unsere Eier stammen aus Demeter-Betrieben, die in ihren Richtlininen nach wie vor die strengsten Anforderungen unter den Bio-Verbänden erfüllen müssen. Und obendrauf: Die Antroposophie, in der der Demeter-Verband fest verwurzelt ist, kann man befremdlich finden oder nicht, sie ist jedenfalls fast schon ein Garant dafür, dass es Demeter-Landwirten auch ein weltanschauliches Anliegen ist, ihre Arbeit so zu machen, wie der Verband es vorschreibt. Kein Mensch, der seinen Verstand beisammen hat, würde sich die Mühe machen, den sehr umfangreichen Steinerschen Anforderungen für den biodynamischen Landbau gerecht zu werden, wenn er bloß auf schnelles Geld aus ist – wer vom Bio-Boom schnell und schmutzig profitieren möchte, geht den kürzeren Weg.
Wie das dann aussieht (also nicht der kürzere Weg), kann man sich ganz vortrefflich transparent durch die Webcams in den Hühnerställen des Bauckhofs angucken. Von Bauck beziehen wir allen möglichen Kram, am prominentesten vielleicht das hochwertige Fleisch, unter anderem natürlich auch vom Huhn. Eier kriegen wir von dort nur noch sporadisch, weil wir uns entschieden haben, unseren Bedarf durch die quasi um die Ecke gelegenenen Demeter-Höfe Wörme und Arpshof zu decken, aber wir können euch versichern, dass es den Tieren dort ähnlich gut geht. Und das können wir, weil wir beide Höfe aus der persönlichen Anschauung kennen, den Arpshof von zahlreichen Wochenendbesuchen so gut, dass unsere Kinder viele der Tiere dort beim Vornamen kennen – das ist der große Vorteil von um die Ecke.
Zuletzt noch die Anmerkung, dass Naturland dem Hof Tiemann fristlos die Zusammenarbeit gekündigt hat.
