Wir machen das stellvertretend. Also für die Stellen, an denen der Film eigentlich laufen sollte.
Was soll man sagen.
Herr Merz, für den Fall, dass Sie hier mitlesen – wer weiß! – kommen Sie, schauen Sie sich das an.
Ich hab Sie gesehen, im Publikum bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vor zwei Jahren. Margot Friedländer spach auf der Bühne, seid Menschen, hat sie gesagt. So hat es damals auch angefangen, hat sie gesagt. Ich bitte euch, mich zu unterstützen, dass die Geschichte sich nicht wiederholt, hat sie gesagt. Und Sie haben geweint, Herr Merz, ich hab’s gesehen, ich bin fast sicher. Sie haben vermutlich trotz allem irgendwo da drin ein Herz und wollen auch nicht, dass die Geschichte sich wiederholt.
Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie schon am nächsten Tag wieder die Kraft gehabt, irgendwas Rassistisches im Bundestag zu sagen. Ein halbes Jahr später hat Ihre Partei mithilfe mit der Partei, deren Namen wir nicht sagen, eine Mehrheit für einen Antrag auf mehr Zurückweisungen an den Grenzen erreicht, und seitdem, ach, wem sag ich’s.
Schwierig, Arzttermine zu bekommen? Das liegt natürlich an der Migration. Steuergelder knapp? Kein Wunder, bei der Migration. Wetter schlecht? Essen angebrannt? Bedauerliche Fälle, müssen wir drüber sprechen, aber dann müssen wir auch darüber sprechen dürfen in Deutschland, dass ein beträchlicher Anteil dieser Mahlzeiten aus der Gruppe der Zuwanderer heraus angebrannt wird.
Trotzdem, geweint haben Sie.
Es sind Sie und die Ihren, die häufiger weinen müssten, regelmäßig am besten, damit es sich einschleift, das Mitgefühl. Damit der Muskel dafür wächst und stark genug wird und verdammt nochmal Ihre Politik mitbestimmen lernt. Sie und die Ihren sollten Kein Land für Niemand schauen, und nicht nur einmal.
Ist es vergebliche Selbstvergewisserung, einen Film, der aufs schmerzhafteste und eindrücklichste anprangert, wie unser Land mit denen umgeht, die aus Not zu uns kommen, ausgerechnet in einem linken Bioladen zu zeigen?
Ist es nicht. Weil Wissen und Fühlen zwei unterschiedliche Dinge sind, und weil auch wir es gut gebrauchen können, immer wieder unser abstraktes Wissen mit konkreten Gefühlen über konkrete Menschen aufzuladen, damit wir weiter und mehr Kraft zum Handeln haben.
Und wenn es gut läuft, kommen dabei auch noch ein paar Spenden zusammen, für die Arbeit derjenigen, die da draußen an den vordersten Linien Mitgefühl nicht nur haben, sondern unter großem persönlichen Einsatz und schwierigsten Bedingungen praktizieren, jeden Tag.
Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye und Freund des Hauses, wird nach dem Film für ein Gespräch dabei sein. 30% der Erlöse des Abends gehen an den Verleih, 70% an Sea-Eye.
Kein Land für Niemand – Abschottung eines Einwanderungslandes.
Ein Film von Max Ahrens und Maik Lüdemann
DE | 2025 | 106 Minuten
Einlass um 20:00 Uhr, Filmbeginn um 20:30 Uhr.

