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irgendwas mit musik

Mittwoch, 27. November um 20:30

PLATON KARATAEV (HU)

Sicher erinnert ihr euch an die Sequenz in Krieg und Frieden, in der Pierre eine kathartische Begegnung mit dem frohgemuten Kriegsgefangenen Platon Karatajew hat. Karatajew schenkt Pierre eine Kartoffel und gibt ihm innerhalb von fünf Seiten den Glauben an die Möglichkeit menschlicher Zufriedenheit zurück, den Pierre zuvor in einer über zig Kapitel währenden Sinnsuche gaaanz langsam verloren hat. Wisst ihr noch, oder?

Glück ist eine salzige Kartoffel? Der Wurm knabbert am Kohl, aber bevor der Kohl verzehrt ist, ist er tot? Unser Lebensglück ist wie Wasser in einem Schleppnetz – du ziehst daran, und es füllt sich, du hebst es heraus, und es ist leer? Karatajew, ein einfacher Bauer, der nicht zufällig Platon heißt, ununterbrochen sprichwörtliche Weisheiten von sich gibt und in jeder Schicksalswendung das Gute sehen kann? Zum Beispiel in der glücklichen Fügung, dass er selbst und nicht sein Bruder zum Kriegsdienst eingezogen wurde, in Gefangenschaft geraten ist und gerade von den Franzosen zum Tod durch Erschießung verurteilt wurde? Schließlich ließe der Bruder Frau und drei kleine Kinder zurück, während Platon selbst lediglich eine Frau zurücklässt und ergo wesentlich entbehrlicher ist? Nein?!

Falls tatsächlich nicht, ist das hoffentlich nicht tragisch, denn ich erinnere mich auch nicht. Ich erinnere mich an eine extrem eindrucksvolle Schilderung einer Schlacht aus der verwirrenden, chaotischen Perspektive eines einfachen Fußsoldaten, und an sehr viele, sehr lange, zu großen Teilen französischsprachige Gespräche unter gelangweilten feinen Leuten in feinen Salons. 

Nun ist aber der grundsympathische,  gütige und selbst im Angesicht des Todes lebensfrohe Karatajew in seiner Verkörperung der Tugenden des russischen Bauern offenbar eine der beliebtesten Figuren Tolstois überhaupt- seit Veröffentlichung des Romans, durch die Sowjet-Zeit hindurch und bis heute, und als solche schließlich Namensgeber unser musikalischen Gäste aus Ungarn, die sich offenbar auch gut an ihn erinnern MEINE GÜTE HAT DAS GEDAUERT ABER NA UND KRIEG UND FRIEDEN IST BEKANNTERMAßEN AUCH LANG UND DA SAGEN ALLE OH, WELTLITERATUR UND HIER IST DAS JA WOHL DANN SOWOHL THEMATISCH ALS AUCH FORMELL PASSEND SO!

Na schön, schreiben wir halt auch was über die Musik, die ist nämlich gut. Mit ihrem Debüt „For Her“, vor allem mit der ersten Single „Elevator“ haben es Platon Karataev, ganz ähnlich wie Krieg und Frieden,  ans obere Ende der „German Viral Top 50“ auf Spotify geschafft. Das Album klingt stampfig-folkig, ein bisschen wie die frühen Mumford & Sons, während die ersten Einblicke in die im Herbst kommende Platte „Atoms“ das Indie-Folkige in ein etwas zackigeres, rockigeres Gewand kleiden – beide  Inkarnationen der Band lassen sich sehr gut hören. Wir freuen uns auf das Konzert, und ebenso auf die ausufernde literaturtheoretische Diskussion beim Bier danach. Ihr auch? Dann zückt die Terminkalender.

Tür auf wie immer um acht, Beginn wie immer um 20:30

Eintritt frei wählbar ins Körbchen, wir schlagen vor:
Tarif „Freundliche Geste der Anerkennung“: EUR 7,-
Tarif „Kostendeckender Beitrag“: EUR 10,-
Tarif „Soldarbetrag Gold“: EUR 13,-



Details

Datum:
Mittwoch, 27. November
Zeit:
20:30